InfoSCHUL 3-Projekt: Entwicklung übertragbarer
Unterrichts- und Lehrerfortbildungsmodelle zur Erschließung von Informations-, Wissens- und Kompetenzräumen

Dokumentation eines InfoSCHUL 3-Projektes von 1999/2000

Zu den Ergebnissen

Die Planung

1. InfoSCHUL 3-Projekt - Eckdaten
- Projekttitel: Entwicklung übertragbarer Unterrichts- und Lehrerfortbildungsmodelle zur Erschließung von Informations-, Wissens- und Kompetenzräumen
- Unterrichtsfächer: Deutsch, Religion, Englisch, Erdkunde, Wirtschaft/Recht, Kunst
- Stufe, Klasse: Sekundarstufe I und II
- Projektleiter: Robert Roseeu
- IuK-technischer Rahmen: Computerraum mit 16 Schülerplätzen, 4 Projektrechner,
3 Overhead-PCs, 1 Lerninsel im Lehrerzimmer (4 Plätze), 1 Lerninsel für Arbeit im
Lernzirkel, alle Rechner im Netz und am Internet über Router
- Kooperationspartner: Deutsches Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt Oberpfaffenhofen (Projekt-Homepage, Fernerkundungs-Bilddaten, Bilderdatenbank Isis)
Landesbildstelle Südbayern, (Schirmherrschaft seitens des Kultusministeriums, Reisekosten, soweit noch nötig)
- Verbundpartner:
Christoph-Probst-Gymnasium Gilching (Virtuelle Exkursion durch die GUS, Alan Sillitoe, The loneliness of the long distance runner)
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Oberasbach (Einrichtung einer relationalen Bilderdatenbank, Schwerpunkt Chemie, Schwerpunkt Englisch/Erdkunde)
Gemeinsam:
Gemeinsamer Weg bei der Lehrerfortbildung: Workshop - Online-Betreuung über
BSCW-Plattform und gemeinsame Website beim DLR.

2. Erfahrungshorizont
Erfahrung aus SaN-Modellprojekt 1996/97, InfoSCHUL 1 und InfoSCHUL 2, Einsatz mobiler Computer seit 1995, satellitengestützter Erdkundeunterricht seit 1995. Die CD-ROM "Unterricht digital" fasst die Ergebnisse der Vorjahre zusammen.

3. Zielsetzungen/Projektidee
- Kurzbeschreibung der Projektidee:
Die Integration der neuen Medien (Internet, elektronische Datenbanken, Computeranwendungen) in den Unterricht bedarf neuer Fortbildungskonzepte für Lehrer und neuer Lehr- und Lernformen in der Schule.
Unser InfoSCHUL 3-Projekt selbst hat die Gestalt einer einjährigen Lehrerfortbildung mit Workshop, Online-Beratung und Unterrichtserprobung. Die Stationen einer Informationsverarbeitung (Recherche, Bewertung und Auswahl, Neuformulierung und Informationsverdichtung, Visualisierung der Kernaussagen, Präsentation der Ergebnisse) durchzieht alle Vorgänge und Beispiele unseres Projekts. Dies führt auf eine weitere Gliederung in Informationsräume (Fachinformation), Wissensräume (individuelle Umsetzungen) und Kompetenzräume (Reflexionen über das eigene Handeln). Diese beiden Gliederungen stellen ein durchgängiges didaktisches Konzept dar.
- Der einwöchige Workshop (25.10.-29.10.1999) erzeugte ein starkes Gruppenbewusstsein und auch individuelles Pflichtbewusstsein bei allen Projektpartnern. Der erste Härtetest erfolgte bei der Podiumsdiskussion (ca. 60 Teilnehmer) zu den Workshop-Ergebnissen. Der zweite Härtetest lag in der Gestaltung und Belebung der gemeinsamen elektronischen Plattformen (BSCW und öffentliche Gruppenhomepage beim DLR). (Das Angebot des DLR wurde zwischenzeitlich storniert, so dass dieses Projektziel nicht erreicht werden konnte.)
Die beim Workshop ausgetauschten Erfahrungen zu Software, Methodik und Didaktik bildeten die Grundlage für alle Einzelprojekte. Die neuen digitalen Möglichkeiten musste jeder Projektteilnehmer im Rahmen seines Projekts selbst ausloten. Die gemeinsame BSCW-Plattform sollte ihn dabei anregen und führen. Schulische Fehlentwicklungen (einseitige Technikorientierung usw.), so meinten wir, könnten mit diesem Instrumentarium verhindert werden.
Der Workshop war für alle Teilnehmer ein sehr großer Erfolg. Er hat die Erwartungen weit übertroffen. Ein zweiter Workshop zur Mitte der Projektlaufzeit wurde angeregt. Der Start der BSCW-Plattform zeigte erste gruppendynamische und inhaltliche Ergebnisse.
Bei Projektende sollten die Einzelprojekte, das gesamte Lehrerfortbildungsprojekt und die Vorschläge zur schulgerechten Gestaltung von Materialdatenbanken auf einer Ergebnis-CD-ROM veröffentlicht werden.

4. Vorgehensweise
Übergeordnet und schulübergreifend
(Federführung Gymnasium Gröbenzell)
- Praktische Erprobung eines Lehrerfortbildungsmodells zu den neuen Medien und zu handlungsorientierten Unterrichtsformen: Ein Workshop am Gymnasium Gröbenzell.

Ablaufplan für den Workshop zu den neuen Medien
.........................................vom 25.10. bis 29.10.1999
Zeiten: Montag mit Donnerstag von 8.00 bis ca. 22.00 Uhr
Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr

Montag, 25.10. Einführung, Vorstellungsrunde, Projektplanungen
Einführung in die Haustechnik
Softwareschulungen:
Software PowerPoint (Präsentationssoftware)
Internet-Recherche - Webbrowser
CorelWebDesigner (HTML-Editor)
Abends: Projektplanungen
Dienstag, 26.10. Softwareschulungen:
Software PowerPoint (Präsentationssoftware)
PaintShopPro 5.0 (Bildbearbeitung)
Animationssoftware
Jasc Media Center (Bildverwaltung)
Corel WebDesigner (HTML-Editor)
Nachmittags: Besuch beim BR und beim DIZ in München
Themen: Redaktion einer Homepage,
Digitalisieren eines Großarchivs
Mittwoch, 27.10. Experimente mit Klassen:
Fachspezifische Software und PowerPoint im Unterrichtseinsatz über mobile Computer bzw. im Computerraum
Nachmittags Besuch beim DLR in Oberpfaffenhofen
(Sponsor der Projekt-Homepage)
Themen: Aufbereitung von Radardaten,
Erstellung von Animationen für den TV-Wetterbericht
Donnerstag, 28.10. HTML-Editor bei der Erstellung einer Klassenpage bzw.
eines Glossars in Gruppenarbeit
Nachmittags Erstellung der Präsentationen für die Abendveranstaltung (CD-ROM)
Abends Internet-Café für Lehrer mit einem kleinen Empfang und
Präsentationen zum gemeinsamen Schulprojekt,
anschließend Podiumsdiskussion
Freitag, 29.10. bis mittags: Fachsoftware und CD-ROMs für den
Einsatz in der Sekundarstufe II, Bewertungsprobleme und -lösungen

Der Workshop umfasste alle schulischen Praxisbereiche beim Einsatz der neuen Medien:
- Unterrichtsformen im Computerraum
- Einsatz mobiler Computer im Klassenzimmer im Fachunterricht
- Projektunterricht in Form von Lernzirkeln im Klassenzimmer/in der Bibliothek (Klassenzimmercomputer, Lernzirkel)
- Umgang mit Scanner, Diascanner und digitaler Camera
- Intranet und Internet
- CD-ROM-Erstellung und Archivierung

Die Praxisbezüge und die Materialien orientierten sich an der vom Ministerium zu SCHILF TELLUM verteilten CD-ROM "Unterricht digital".
- Begleitende Analysen zu den Themen
Wie steht es um die allgemeine Akzeptanz im Umgang mit den neuen Medien?
- digitale Arbeitsblätter (konventioneller Ansatz)
- digitale Mediensammlungen bei der Vorbereitung und bei der spontanen interaktiven Nutzung im Fachunterricht
- digitale Präsentation von Lehrern und Schülern
- Nutzung des Internet bei Vorbereitung und im Fachunterricht
- Handlungsorientierung
- Einsatz mobiler Computer im Fachunterricht
- Projektarbeit mit den neuen Medien

 

Erfahrungen und Bewertungen

- Der einwöchige Workshop (25.10.-29.10.1999) erzeugte ein starkes Gruppenbewusstsein und auch individuelles Pflichtbewusstsein bei allen Projektpartnern. Der erste Härtetest bzgl. der erworbenen Kompetenzen erfolgte bei der Podiumsdiskussion vor ca. 60 Teilnehmern. Es zeigte sich, dass der Workshop für alle Teilnehmer ein sehr großer Erfolg war. Er hat die Erwartungen weit übertroffen. Die beim Workshop ausgetauschten Erfahrungen zu Software, Methodik und Didaktik waren die Grundlage für alle Einzelprojekte.

- Der zweite Härtetest lag in der Gestaltung und Belebung der gemeinsamen elektronischen Plattformen (BSCW und öffentliche Gruppen-Homepage beim DLR). [2007 benutzt man statt dem BSCW ein Wiki]
Diese Versuche liefen ins Leere. Das DLR musste seine Zusage (bedingt durch interne Umorganisation) für ein Sponsoring mit Webspace zurücknehmen. Entscheidender war aber das Scheitern der gemeinsamen BSCW-Aktivitäten. Die gemeinsame BSCW-Plattform sollte die Kollegen anregen und führen. Schulische Fehlentwicklungen (einseitige Technikorientierung usw.) sollten mit diesem Instrumentarium verhindert werden. Dies ist nicht gelungen.
Die Analyse unserer Verhaltensformen zeigt, warum dies nicht gehen konnte:
a) Nicht jeder Projektteilnehmer konnte von seinem heimischen Arbeitsplatz aus auf das Internet zugreifen. Sie konnten an der aktuellen Entwicklung nicht teilhaben, was die anderen Gruppenmitglieder schwer frustrierte.
b) Das persönliche Engagement einzelner Mitglieder war zu schwach um die persönlichen technischen und gefühlsmäßigen Hürden zu nehmen.
c) Der überwiegende Teil der Mitglieder war nicht in der Lage, in das System einen Input zu bringen. Fehlende Kompetenz, anderslaufende fachliche Ansichten, differierende Vorstellungen von Unterricht, fehlendes Interesse für die Nachbarfächer, aber auch mangelnde Schreibdisziplin oder einfach fehlende Zeit, um sich mit Problemen anderer zu beschäftigen, behinderten die Zusammenarbeit.

Als Regeln für eine erfolgreiche Arbeit mit BSCW könnten gelten:
a) Selbstkritisch Beiträge einstellen! Nicht Masse, sondern Hilfen!
b) Benutzergerechte Form für eigene Beiträge, keine gepackten Dateien verwenden!
c) Übersichtlichen Zugang zu den Materialien, keine Dubletten!
d) Alle Teilnehmer müssen die Plattform regelmäßig besuchen.
e) Die Bereitschaft zum fachübergreifenden Feedback ist notwendig.

Ein zweiter Workshop zum Thema "verbesserte Lehrerfortbildung" zur Mitte der Projektlaufzeit war am Ende des 1. Workshops angeregt worden. Hierfür war die Erstellung eines Sensitivitätsmodells nach Prof.Vester vorgesehen. Prof.Vester war leider für ein Sponsoring nicht zu gewinnen. Nachdem eine Projektschule (Oberasbach) stillschweigend ihre Mitarbeit am Projekt (einschließlich Homepage) einstellte, erfolgte dieser Workshop in Form eines informellen Treffens der Projektmitglieder der Gymnasien aus Gilching und Gröbenzell. Bei diesem Treffen wurde die Idee für die Überarbeitung unserer Homepages geboren. Seither versuchen wir über ein Redaktionsteam und über eine Umfrage zu den Wunschvorstellungen beim Gedanken an eine Schulhomepage eine breitere Akzeptanz bei Mitgestaltern und bei den Usern zu erreichen.

Unsere Beobachtungen in Kurzfassung:

Das eigene Kollegium, die Beobachtungen bei den Partnerschulen und bei Fortbildungen an anderen Schulen (nur Gymnasien) ergeben folgendes subjektive Bild.
- Eine Innovation "neue Medien im Unterricht" fand im Denken und im Handeln in der Schule bisher nicht statt, wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel.
- Fortbildungen verbessern zwar den Wissensstand, nicht aber die persönlichen Einstellungen und nicht die Bereitschaft, die Neuerungen schulisch einzusetzen. Es fehlt an der nötigen Kompetenz und an der nötigen Flexibilität des Systems "Schule".
- Die neuen Medien werden nur als Lehr-Experimente aufgefaßt, nicht aber in den Unterrichtsalltag integriert.
- Die Nutzung des Internet mit ganzen Klassen beschränkt sich häufig auf 2 bis 3 Unterrichtsstunden pro Schuljahr (Referendarausbildung analog). Die chaotische Struktur des Internet verhindert den ökonomischen Einsatz während der 45 Minuten. Die Lehrplanfülle lässt zu wenig Spielraum.
- Vorbereitete digitale Unterrichtseinheiten (digitale Arbeitsblätter, Präsentationen, etc.) werden nicht genutzt, weil die technischen Randbedingungen fast immer die Arbeit vor der Klasse erschweren.
- Linklisten werden nur selten genutzt, da deren Auswertung viel länger dauert als der Blick ins Schulbuch. Ein Kopierer ist leichter zu bedienen als ein Computer.
- Die digitale Präsentation vor der Klasse ist so gut wie unbekannt.
- Projektarbeiten liefern derzeit den höchsten Mehrwert für die Schüler. Leider handelt es sich hierbei zumeist nur um AGs.

Schulbezogene Projekte

Informationsräume (Fachinformation, Linklisten)
- Deutsch (Mareis) fehlt
- Religion (Mareis) fehlt
- Englisch (Gumtau) erledigt, sehr umfangreich, Neuansätze über "Mindmanager"
- Erdkunde (Roseeu) erledigt, umfangreich
- Wirtschaft/Recht (Pfeiffer) erledigt, sehr umfangreich
- Software (gemeinsam) erledigt
- Informationspool zum Auslandsaufenthalt in den USA (Gumtau) fehlt
- Erweiterte Diasammlung auf CD-ROM für Erdkunde (Roseeu) erledigt


Wissensräume (Umsetzungen)
- Glossar in Wirtschaft/Recht (Pfeiffer) erledigt, sehr erfolgreich
- Zwei Glossare in Erdkunde (Roseeu) erledigt, erfolgreich
- Jüdischer Festkalender (Mareis) erledigt, sehr erfolgreich
- Zeitungs-CD-ROMs in Deutsch/Religion/Erdkunde (Mareis, Roseeu) fehlt
- Agatha Christie in Englisch (Gumtau) erledigt
- Satellitengestützte Strukturanalyse des Meteoritenkraters "Ries" (Roseeu) nur halb fertig
- Tutorial Internet-Führerschein (Roseeu) nur in Ansätzen vorhanden
- Virtuelles Heimatmuseum (Konietschke) fehlt

Kompetenzräume (Reflexionen)
- Homepage als Informationsplattform für Schüler (Pfeiffer) erfolgreich erprobt
- Übertragbarkeit fremder Arbeitsansätze auf den eigenen Unterricht (Gumtau) fehlt
- Stationen der Informationsverarbeitung in Erdkunde (Roseeu) erfolgreich erprobt
- Schulinterne Lehrerfortbildung (Roseeu) wegen SCHiLF ausgesetzt
- Lerninsel und Overhead-PC (Roseeu) erprobt mit sehr unterschiedlichem Erfolg

Robert Roseeu
Projektleiter