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Zur Operationalisierung von BNE in der Sekundarstufe über
"Lernräume"
Stetes Ziel muss es sein, die ökologische,
ökonomische und soziale Dimension der Nachhaltigkeit jeweils
gegeneinander abwägen zu lassen und nicht getrennt zu behandeln.
Nur so können Bewertungskompetenzen und ganzheitliche Vorstellungen
(Imagination) erworben werden, die in Gestaltungskompetenzen im
Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung münden. Wie gelingt
dies in der Sekundarstufe?
Die schulische Aufspaltung von BNE
in getrennte Arbeitsbereiche erleichtert die fachliche Zuordnung
zu (schulischen) Leitfächern, also die fachbezogene Arbeitsweise
in "Domänen", das sind vernetzte Themenbereiche.
Insbesondere für die Projektarbeit und für die verantwortliche Einbindung
von Schulfächern ist dies von größter Bedeutung. Nur so lassen sich
die Potenziale, die in den Lehrern dank deren Fachausbildung stecken,
voll nutzen. Lehrpläne oder verordnete interdisziplinäre Projektarbeiten
enthalten keine Potenziale im Sinne von BNE, denn stets trifft die
System-Kritik
von Jürgen Rost zu.
1. Eine ethische BNE
zielt auf die Verantwortung des Menschen. Schutzgedanken
stehen im Mittelpunkt. Biologie, Ethik, (Religion, Deutsch, Sozialkunde)
können die Leitfächer sein. 2. Eine politische BNE
zielt auf die Steuerungsmechanismen in der Gesellschaft. Wirtschaft,
Politik, (Sozialkunde, Geographie) können die Leitfächer sein. 3.
Eine geographische BNE zielt auf den menschlichen
Lebensraum als Systemeinheit. Geographie ist hier das Leitfach. 4.
Eine interkulturelle BNE zielt auf die Partizipation
an fremden Kulturen und fremden Erfahrungs-, Bewertungs- und
Handlungsansätzen. Deutsch, Fremdsprachen, Religion, Kunst, Musik
können die Leitfächer sein.
Einer geographischen BNE kommt
eine überragende Rolle zu, denn sie sieht einerseits den Menschen
und die soziale Gruppe als Gestalter des Lebensraumes und betrachtet
andererseits den geographischen Lebensraum als "Ressourcenlager"
und als "Grenzwertgeber" für das menschliche Tun. Außerdem
ist das Fach Geographie von Haus aus multidisziplinär angelegt,
was eine vielschichtige Projektarbeit ausgehend vom Fach Geographie
(organisatorisch, inhaltlich, personell) erleichtert.
Der "geographische Lebensraum"
definiert sich hierbei in zwei sehr unterschiedlichen Formen: a)
Der Lebensraum in der traditionellen geographischen Form
von Heimat, Umwelt, Kulturraum, Wirtschaftsraum, Raum für Forschungen
wie "Global Change" und "System Erde", etc. b)
Der Lebensraum als methodischer Lernraum, der sich
sowohl entwicklungspsychologisch mit dem Alter der Schüler, als
auch durch die Wirkung von Unterricht, als auch durch die Globalisierung
im Bewusstsein der Menschen stetig nach "Ausstattung"
und Größe im Sinne von "Reichweite" verändert. Dieser
individuelle Lebens- und Lernraum als Raum der Wahrnehmung, der
Kommunikation, des sozialen Geschehens und Erlebens, des Bewertens,
der kulturellen Betrachtung und des Handelns lässt sich unter Ursache-Wirkungs-Aspekten
altersgemäß analysieren. bzw. hinterfragen. Damit werden Lebensräume
zu methodischen Lernräumen, in denen sich die eigentlichen Vorstellungen
(Imagination) und Kompetenzen entwickeln.
Die bewusste themenorientierte
Auseinandersetzung mit den realen Lebensräumen
aus der Sicht der methodischen Lernräume ermöglicht
den ganzheitlichen Erwerb von Gestaltungskompetenz im Sinne von
BNE.
Diese Vorgehensweise erlaubt es auch,
dass Jugendliche täglich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung
tätig werden können, weil sie mit ihrem eigenen Lebensraum bewusster
umgehen. Entscheidend dafür ist, dass der Lehrer Impulse für die
Arbeit in den methodischen Lernräumen gibt, d.h. er muss seine Schüler
zur Erkenntnis führen, dass wir Menschen bereits durch unsere differenzierte
Wahrnehmung, durch die Kommunikation, durch unser Bewerten, etc.
bewusst und unbewusst auf den wahrgenommenen Lebensraum einwirken:
Wenn ich einkaufe, reise, über Handy kommuniziere, etc. verändere
ich durch den unvermeidlichen Informationsfluss sowohl meinen Lebensraum
als auch den Lebensraum anderer Menschen.
Ein Beispiel aus dem Geographie-Unterricht
soll das Konzept der methodischen Lernräume verdeutlichen. Die
Besprechung von Rondonia im Regenwald Brasiliens samt seiner ökologischen,
ökonomischen und sozialen Probleme erweitert den individuellen Lebensraum
der Schüler um die Vorstellung "Rondonia".
Der Unterricht kann in einem zweiten
Schritt die methodischen, um "Rondonia" erweiterten, Lernräume
nutzen: "Wie stellen wir uns den Alltag der Neusiedler
im Regenwald vor? Was brauchen sie zum Leben? Wie sieht es um die
Schulbildung aus? Schreibe und male deine Vorstellungen!"
Vertiefung: "Worin unterscheiden
sich Siedler und Indios im Umgang mit ihrem Lebensraum?" Wahrnehmung,
Kommunikation, Erlebnisse, soziale Geflechte, Bewerten von Konsumgütern
und Situationen, kulturelle Eigenarten und Aktivitäten sollen, soweit
bekannt, reflektiert werden. Wie kann dies gelingen? Die Möglichkeiten
einer Neusiedlergruppe soll simuliert werden. Die Gestaltung des
Planspiels übernimmt die Klasse selbst. Schlüsselfrage: "Wie
würden wir denken und handeln, wenn wir uns im Regenwald in Rondonia
ansiedeln müssten?"
Die gestellte Aufgabe beinhaltet
den Auftrag weitere Informationen einzuholen, darüber zu kommunizieren/zu
diskutieren und sie zu bewerten. Daraus entwickelt sich eine Vorstellung,
die zur aktiven Lösung der gestellten Aufgabe führt. Dies setzt
natürlich einen Projekt-orientierten Geographie-Unterricht voraus.
Ergebnis: Die Schüler relativieren
den Umgang mit ihrem eigenen Lebensraum, sie lernen "Globalisierung",
sie erwerben Gestaltungskompetenz
im ihnen zugestandenen Entscheidungsbereich.
Und hier könnte man diese Ideen
für die Schule entwickeln und aufbereiten: Geowerkstätten
als Pädagogische Lernwerkstätten, Lehrer entwickeln für Lehrer.

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